Judie Tzuke’s Songclub

Judie Tzuke gehört zu der relativ seltener Art von Musikerinnen, die die Entwicklung in der Musikszene für sich arbeiten lässt. Statt Zeit darüber zu verlieren, sich zu beklagen wie ungerecht doch alles ist, macht sie pro-aktiv ihr Ding, und hat damit Erfolg.

Judie’s Geschichte ist eigentlich ganz interessant. Im Alter von 23 Jahre stieg 1979 eine bemerkenswert hübsche, blonde Frau auf die Bühne und sang sich mit ihrer Ballade „Stay With Me Till Dawn“ in die Herzen der Engländer. Der Song schaffte es bis auf Platz 16 in den britischen Charts. Damit gilt sie eigentlich als One-Hit-Wonder, da es ihr nicht gelang, nochmal mit einer Single zu charten. Allerdings ist diese Einschätzung nicht wirklich richtig, da alle ihre bis Ende der achtziger Jahre veröffentlichten Alben es in die Album Charts schafften.

Judie ist jetzt älter und reifer geworden, sie ist aber immer noch eine hübsche Frau, die ihre Töchter Bailey und Tallula mit auf die Bühne nimmt. Das Geschäft mit den Platten hat sie selber in der Hand. In der Tat ist es so etwas wie ein Familienunternehmen. Lebenspartner und Bandmitglied Jamie Muggleton kümmert sich um die Newsletters und den Online Shops, alle ihre bisher veröffentlichten Alben werden über ihre Website vertrieben, und es sind bis dato immerhin stolze 25 Stück.

song clubDas Prinzip ist eigentlich ganz einfach. Statt auf der nächsten LP zu warten, hat Judie ein Song-Club ins Leben gerufen. Dieser funktioniert folgendermaßen. Über ihre Website tzuke.com meldet sich der Interessent an, bzw. Song Club 2015 wandert in den Warenkorb und wird gekauft. Dafür erhält der Käufer jeden Monat ein Download plus einige Bonuslieder während der Laufzeit von zwölf Monaten. Das Ganze für £ 12 (ca. 15 EURO). Wer £ 4 drauf legt, bekommt die CD davon am Ende des Jahres (zzgl. Versand und Verpackung).

Die erste Ausgabe des Songclubs fand schon 2013 statt und war so erfolgreich, dass Judie nach überstandener Erkrankung in 2014 entschieden hat, dieser Club in 2015 fortzusetzen.

Judie hat vieles richtig gemacht in ihrer Karriere. Obwohl sie nicht mehr in den Charts wiederzufinden ist, hat sie für sich eine Nische gefunden, in dem sie offenbar gut leben kann. Obwohl ihre Veröffentlichungen nicht mehr in den Charts zu finden sind, erfreut sie sich immer noch einer großen Beliebtheit in England. Ihre Touren sind regelmäßig sehr gut besucht, sie tritt immer noch im Radio auf.

Dieses Konzept ist nicht auf alle Musiker anwendbar, ein gewisser Fan Base ist schon notwendig, um den gewünschten Erfolg zu erzielen, aber es können sicherlich viele daraus lernen: Statt die neuen Möglichkeiten zu bekämpfen, muss man lernen, sie für sich zu nutzen und andere Wege zu gehen. Denn eins ist klar; am Ende des Tages entscheidet immer noch der Konsument, wo es lang geht. Und dieser Weg geht sicherlich nicht zurück …

photo credit: The Queen’s Hall via photopin cc

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