It’s Nothing But Higher

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inbh1Caros Debut entstand in einer Zeit des musikalischen Umbruchs nicht nur innerhalb der deutschen Musikszene, sondern weltweit. 1977 war in den Radiostationen vor allem Disco angesagt. John Travolta und Bee Gees taten ihr Bestes dem Volke tanzen beizubringen, während gleichzeitig Blondie die Punk-Ikone aus dem CBGBs in New York City neue wavige Töne anschlug, die in England durch Bands wie die Sex Pistols sogar noch brachialer dargeboten wurden.

1977

Caro and the JCT Band – It’s Nothing But Higher

(Pinball/Teldec 6.12241 AC)

Motorcycle Love (Caro Tollenaar)
Ask My Agent (Caro Tollenaar)
A Day In July (Caro Tollenaar, Peter Urban)
The Trailer Is Back (Caro Tollenaar)
Julie (Caro Tollenaar, Karsten Hoock, Peter Urban)
Skin It Back (P. Barrére)
I’m In Trouble (Caro Tollenaar, Karsten Hoock)
Child Of The Moon (Mick Jagger, Keith Richard)
You’re The Reason (B. Edwards, M. Imes, T.Fell, F. Henley)
Help Me, I’m Dreaming Bad Stuff (Caro Tollenaar)
Peter Urban (Keyboards)
Karsten Hoock (electric guitars, acoustic guitar)
Bernd Gertig (electric guitar)
Dave King (bass guitar)
Tom Holm Jr. (drums)
Peter Levinson (percussion)
Heinz von Hermann (tenor sax)
Freddie Lhost (clarinet)
Ralf Balschun (harmonica)

Credits

Cover photos:
Amos Schliak & Toni Petersen
Aufgenommen im Hansa Studio Berlin in September 1977
Produced by Joachim Heider

Rezension

Caros Debut entstand in einer Zeit des musikalischen Umbruchs nicht nur innerhalb der deutschen Musikszene, sondern weltweit. 1977 war in den Radiostationen vor allem Disco angesagt. John Travolta und Bee Gees taten ihr Bestes dem Volke tanzen beizubringen, während gleichzeitig Blondie die Punk-Ikone aus dem CBGBs in New York City neue wavige Töne anschlug, die in England durch Bands wie die Sex Pistols sogar noch brachialer dargeboten wurden. Disco und Punk brachten nicht nur die deutsche Szene in Aufruhr sondern waren mit dafür verantwortlich das einheimischer Krautrock langsam der Gar ausgemacht wurde. In Amerika gab es eine starke Gegenbewegung, die sich dem Westcoast-Sound und Southern Rock verschrieb. Bands wie Fleetwood Mac, Little Feat, Eagles waren in aller Munde, und in diesem musikalischen Singer & Songwriter Kontext sollte Caro & Band bestehen.Entdeckt wurde Caro im Hamburger Onkel Pö durch ihren späteren Manager Jürgen Otterstein. Zu der Zeit war sie Frontfrau von „Pussy“ einer R&B Band, die den Laden ständig zum kochen brachte. An Caros Seite spielten keine geringeren Talente als Abi Wallenstein und Peter Urban. Oft gab es Gastauftritte gemeinsam mit Vince Weber und Inga Rumpf.

Jürgen Otterstein war vor allem an Caro interessiert, und somit wurde als erstes die Band in Caro & JCT Band umbenannt, das ihren Mitmusikern ziemlich auf die Nerven ging. Abi Wallenstein hatte keinen Bock auf den ganzen Zirkus und ging seine eigenen bekannten Wege, während der Rest der Band zur Begleitband degradiert wurde. Alle glaubten an den Erfolg, und so biss man in den sauren Apfel und blieb zusammen.

Eingespielt wurde „It’s Nothing But Higher“ in den Berliner Hansa Studios unter Verstärkung angesagter Studiomusiker. Caro zeichnet sich für den Löwenanteil der Songs verantwortlich, deren musikalische Wurzeln in Amerika liegen, nicht zuletzt durch einen längeren Aufenthalt bei ihrer Schwester in Archer City, Texas.

Die Scheibe startet mit „Motorcycle Love“, einer rockigen Up-Tempo-Nummer. Wer allerdings vor ihr auf dem Bock sitzt wird nicht verraten.Vielleicht ist es ihr Manager, den sie im beschwingten „Ask My Agent“ textlich aufs Korn nimmt. Sie beschreibt im Song wie sie von ihrer Record Company nach allen PR Regeln der Kunst aufgebaut und wieder fallen gelassen wird, obwohl sie sich bei unangenehmen Fragen mit „Don´t Ask Me, Ask My Agent“ herausredet. Nach drei Jahren wird sie im Lied, nach anfänglichem Ruhm, wegen Erfolglosigkeit gefeuert. Sie verlässt die Stadt, verliebt sich und heiratet. Als ihr Mann von einem Fremden auf der Hochzeitsreise gefragt wird, was er beruflich so macht, antwortet er: „Don´t Ask Me, Ask My Wife“. Eins ist hier klar, Caro ist nicht nur eine gute Songwriterein, sondern sie verfügt zu dem noch über ein hohes Maß an Witz.

Caros wandlungsfähige charismatisch rauchig warme Bluesstimme variiert zwischen R&B „You’re The Reason“, Westcoast Music „The Trailer Is Back“, Balladen „A Day In July“, „Julie“, „ I’m In Trouble“ und funkigen Anleihen wie in „Skin It Back“. Die Instrumentierung ist zurückgenommen, Peter Urbans Arrangements sind luftig leicht. Alles wirkt handgemacht, heute würde man sagen: Americana.

Hervorzuheben wäre noch „Child Of The Moon“, eine traumhafte Ballade aus den dunkelsten Tagen der „Stones“. Caro schafft es sogar dem Original noch eins draufzusetzen, indem sie dem Song eine sehr traurige zerbrechliche Note verleiht.
„Help Me, I’m Dreaming Bad Stuff” beendet das klasse Debut der zu dem Zeitpunkt erst 19 jährigen Sängerin. Der Track ist erneut für eine Überraschung gut, und zeigt Caro im Gewand einer Chanteuse der 30er mit New Orleans Appeal und swingender Klarinette.

Jürgen Otterstein hatte wohl den richtigen Riecher, denn die Scheibe entwickelte sich zum Renner. Etliche TV Auftritte wie in „Bananas“ und „Disco“ folgten. Es wurden über 100.000 Einheiten verkauft, und zu guter Letzt auch noch der Deutsche Schallplattenpreis 1978 abgeräumt, nach dem sie gemeinsam mit der “Climax Blues Band” auf großer Deutschland und Schweiz Tournee sich erstmals im großen Stil live präsentierte. Chapeau.

Die meisten Songs haben den Zahn der Zeit hervorragend überstanden, und daher ist es umso trauriger, dass die Scheibe immer noch nicht auf CD veröffentlicht wurde.
R.B.

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